Bericht vom Ski Super Marathon Jokkmokk

von Klaus unserem „Super Long Distanz Bear“

Eine wahnwitzige Idee wurde war und ein Traum erfüllte sich

Im hohen Norden von Jokkmokk, dort wo die Winter nicht einfach kalt, sondern episch sind, wo die Landschaft in endloses Weiß gehüllt ist und die Stille selbst Ehrfurcht einflößt, findet ein Skirennen statt, das mehr Legende als Sport ist: das Nordenskiöldsloppet. Dieses Rennen ist kein gewöhnlicher Wettkampf. Es ist eine Zeitreise zurück in das Jahr 1884, als der Polarforscher Adolf Erik Nordenskiöld seine Expeditionsteilnehmer gegeneinander antreten ließ, um zu beweisen, dass Menschen unfassbare Distanzen auf Skiern bewältigen können. 220Km in 21:22 Stunden betrug damals die Siegerzeit. Seit 2016 treten moderne Abenteurer an, um genau das Gleiche zu beweisen nur mit etwas besserer Ausrüstung und genauso viel Wahnsinn.

220 Kilometer. Zweihundertzwanzig!

Das ist keine Strecke, das ist eine Lebensentscheidung.

Der Start in Jokkmokk:

Am Start standen Sie: durchtrainierte Athleten, Hobbyfahrer mit zu viel Selbstvertrauen und mindestens drei Leute, die eigentlich dachten, sie hätten sich für einen gemütlichen Winterausflug angemeldet. Die Stimmung? Euphorisch. Die Gesichter? Noch optimistisch. Die Zukunft???

Dunkelheit liegt noch über dem Land. Die Luft ist so klar, dass jeder Atemzug wie Glas wirkt. Die Startlampen im Startgarten flackern wie Sterne auf der Erde. Die Teilnehmer stehen bereit – konzentriert, angespannt, und irgendwo zwischen Vorfreude und stillem Zweifel.

5 Uhr Morgens und es geht los.Es wird nicht gerammelt, wie bei anderen Massenstarts, es ist eher entspannt und sehr ruhig. Ein leises Gleiten wird zu einem Rhythmus, ein Rhythmus zu einem Marsch. Die ersten Kilometer führen durch verschneite Wälder, vorbei an gefrorenen Flüssen und über weite zu gefrorene Seen und offene Ebenen. Die Rentiere und die Natur schaut zu – unbeeindruckt, majestätisch. Nach 17 Km Stockbruch auf einem der zugefrorenen Seen. Kurzer Stopp und allen anderen entgegen laufen zurück zur nächsten Verpflegungsstation bei Km16. Meine Gruppe in der ich war aufwiedersehen, neue Stöcker und der Lauf beginnt von vorn. Erstmal wieder reinkommen und Rhythmus finden.

Nach 60 Kilometern beginnt die Realität zu nagen.

Nach 110 Kilometern beginnt der Geist, eigene Wege zu gehen. Die ersten aus meiner Anfangsgruppe wieder eingeholt. Schnell Ski nachwachsen, eine Suppe mit Kartoffeln und noch irgendwas in den Körper gehauen. Und weiter geht es.

Und nach 160 Kilometern?

Endlich trockene warme neue Sachen anziehen, trockene Mütze auf und Stirnlampe zurecht gerückt. Es naht die Dämmerung. Dann betritt man eine Welt, die sich nicht mehr ganz erklären lässt. Hier draußen, fernab von allem, verschwimmen Zeit und Raum. Die Spur im Schnee wird zum einzigen Ziel. Gedanken kommen und gehen wie der Wind über die Ebenen Lapplands. Jeder Schritt ist ein kleiner Sieg, jeder Atemzug ein Versprechen nicht aufzugeben. Sternklarer Himmel, Kälte zieht ins Land und endlich Polarlichter am Himmel oder doch Einbildung.

Kilometer 160 bis 200 – die legendäre „Zone des Wahnsinns“.

Hier wurden Legenden geboren. Und merkwürdige Gespräche mit imaginären Begleitern geführt. Skistöcke wurden zu philosophischen Stützen, und plötzlich erschien es völlig logisch, den eigenen Skiern Namen zu geben.„Komm schon, Dieter, wir schaffen das!“

(Dieter war der linke Ski.)

Nein zum Glück nicht, ich war nicht der einzigste, der diese Erscheinung hatte. Und doch – es ist nicht nur Kampf. Es ist auch Schönheit. Das Licht des Nordens, das sich über den Himmel zieht. Die endlose Weite. Die Stille, die lauter ist als jedes Stadion. Momente, in denen man vergisst, wie weit es noch ist – und einfach nur weitergleitet.

Die Verpflegungsstationen wirken wie Oasen in einer arktischen Wüste. Warme Getränke, ein paar Worte, ein Blick in andere erschöpfte, aber entschlossene Gesichter. Fremde werden zu Verbündeten. Jeder weiß: Hier draußen zählt nicht nur Geschwindigkeit – sondern Durchhaltevermögen.

Die letzten Kilometer zurück nach Jokkmokk sind kein gewöhnlicher Endspurt.

Es ist ein Heimkommen. Die Beine schwer wie Blei, die Gedanken irgendwo zwischen Erschöpfung und Euphorie, gleite ich dem Ziel entgegen. Und dann – endlich – überquere ich die Ziellinie.

Der Zieleinlauf?

Kein Sprint. Kein elegantes Finish.

Es war ein triumphales, leicht wackeliges Ankommen. Arme hoch, Gesicht voller Salz, Schnee und ungläubiger Freude.

220 Kilometer später war klar:

Das war kein Rennen. Das war ein geiles Abenteuer.

Ein Schneemarathon der Emotionen.

Ein Festival des Durchhaltens.

Und ganz sicher etwas, das man sofort wieder machen würde……nachdem man gefühlt ungefähr zwei Tage lang nicht mehr aufgestanden ist.

Kein Jubel wie im Stadion.

Sondern etwas Tieferes. Respekt. Erleichterung.

Und das leise Wissen, Teil von etwas Großem geworden zu sein.

Das Nordenskiöldsloppet ist nicht einfach das längste Skirennen der Welt.

Es ist eine Geschichte aus Schnee und Wille.

Ein Mythos, der jedes Jahr neu geschrieben wird – von Menschen, die sich trauen, 220 Kilometer lang gegen Kälte, Zweifel und sich selbst anzutreten.









Ich war dabei !!!