Wahnsinn Vasalauf oder zwei „Bären“ beim größten Volkslauf der Welt

Vasalauf = 90 km ohne viele Berge, Tendenz leicht bergab, die kleinen Hügel zum Schluss werden dann zu riesigen Bergen. Vom Profil her ist das ein relativ leichter Lauf, was abschreckt sind die 90 km oder eben die Länge der Zeit, die man auf Grund der Startgruppe oder den herschenden Bedingungen dafür benötigt. Da wir uns nach vorne qualifizieren wollten, hatten wir uns dafür entschieden, am Dienstag vor dem Hauptlauf den Halbvasa zu absolvieren. Dieser zählt als Qualilauf, wenn man keinen anderen Lauf vorweisen kann. Also Dienstag 45 km; Sonntag 90 km . Vorbereitung für solch eine Woche beginnt schon ein Jahr davor. Da ja bekanntlich Ruderer im Winter gemacht werden und Skiläufer im Sommer, passte das alles ganz gut bei mir zusammen. Mit einem Unterschied: wir Ruderer hatten im September unsere Worldmasters Regatta. Danach ist eigentlich Schluss. Aber ich hatte ja ein neues Ziel. Ich habe mein Training von kurzen harten Einheiten auf lange,nicht so intensive Einheiten umgestellt, also sehr zeitintensive Einheiten. Früher bin ich viel gelaufen, das habe ich weniger gemacht, dafür mehrstündige Einheiten auf dem Ruderergo und am Skiergometer von Concept2. Nach Silvester gings dann gleich im neuen Jahr auf Schneesuche und so landete ich mit meinen Ruderkumpel, der auch den Vasa mitmachte, im Pillerseetal. Der einzige Ort wo Schnee lag, so dass wir unsere ersten langen Skitouren machen konnten. Erster Wettkampf sollte der Kammlauf Ende Januar sein, der aber wegen Schneemangel ausfiel. Im zweiten Block in den Februarferien war aber auch nicht allzuviel möglich. Also weiter Trockentraining. So kam es, dass der Halbvasa mein erster Skiwettkampf werden sollte. Da die Bedingungen in Schweden auch nicht super waren und man seit Wochen damit kämpfte die Hauptstrecke zu pflegen (damit die Vasdawoche überhaupt stattfinden konnte) war das Training auf der Orginalstrecke nicht möglich. Es lag teilweise wirklich nur ein 3 m breites weißes Band im grünen Wald. Somit war klar, dass es also von der Startgruppe am Sonntag abhängt, wo man ankommt. Alle Doppelstarter waren wir beim Halbvasa am Dienstag in Startgruppe 0. Die Spur war knochenhart und tief aus Kunstschnee und altem Schnee gepresst, dadurch pfeilschnell – nichts für Angsthasen in den Abfahrten. So wird das wohl mein schnellster 43- km-Lauf bleiben. Ich war in 2:07 h im Ziel, Hans in 2:22 h. Damit hatten wir am Sonntag folgende Startgruppen. Hans startete aus der Startgruppe 5 und ich aus der Startgruppe 3. Zum Verständnis: es gibt beim Vasalauf keine Nettolaufzeit. Wenn der Starschuss fällt, zählt für alle die Zeit und der Sieger ist der, der als Erster über die Zielline fährt. Soweit erstmal – jetzt hieß es regenerieren und sich für Sonntag erholen. Das Wetter war bis dahin absolut traumhaft, es schien die Sonne und auf den Trainingsstecken waren beste Bedingungen. Schulzreisen gab sich wirklich die größte Mühe, aber auch er kam nicht an die Hauptstrecke und somit konnten wir nur in einem Skigebiet trainieren. Man testete Skier (Wachs- oder Fellski), denn die Wetterprognose verhieß nichts Gutes für den Hauptlauf. Leider hatte der Wettergott kein Einsehen und es fing wirklich pünktlich nachts um 1 Uhr an zu schneien. Das Ganze ging dann noch am Sonntag bis ca 11 Uhr. Im Startgarten waren keine Spuren mehr zu sehen. Wachstechnisch gab es aber keine Probleme, da es deutlich unter Null war und auch blieb. Also ich hatte dünn Eis gekilstert und mit Hartwachs abgedeckt, weil man nicht wußte wie viel Neuschnee kommt oder ob Eis und Kunstschnee durchkommen. Der Startschuss fiel und 15.000 Leute machten sich auf den Weg vom Skistadion den Berg hoch zu kommen. Da ich in Gruppe 3 war, sollte es ohne Anstehen gehen, lief auch am Anrfang sehr gut bis es kurz zum Stillstand kam und im Gerangel durch einen Skistock meine Bindung aufging. Ich verlor mein Ski. Panik machte sich kurz breit. Zum Glück konnte ich ihn aber greifen und kämpfte mich an die Seite, um den Ski wieder anzulegen. Nach ein paar Minuten, gefühlte Ewigkeit, gelang es und ich konnte weiterlaufen. Als wir oben auf dem Plateau waren, teilte sich das Feld in 4 bzw 3 Spuren auf. Das Ganze glich einer langen Polonaise. Letztes Mal waren oben noch 8 Spuren. Überholen ging also relativ schwer. Es sollte aber noch besser kommen. So nahm man also mit allen anderen das Tempo auf und immer noch Schneefall. Nach dem ersten Verpflegungspunkt, wo ich diesmal eine halbe Stunde eher war als beim letzten Vasalauf, machte sich Hoffnung auf eine gute Zeit breit. Aber immer noch dieser Schneefall. Die Hoffnung zerbrach am dritten Verpflegungspunkt, da gings mir dann auch noch besch… . Ich dachte, wenn jetzt Hans noch vorbei kommt, hör ich auf und fahre Bus. Wir hatten erst 35 km weg. Mein Tief zog sich noch die nächsten 12 km weiter, mit Krämpfen in der Brust und im Bauch. Der Ski lief nicht, ich hatte bei dem Schneefall kein Bock mehr, überholen ging nicht: einfach nur ätzend. Aber Hans kam nicht und über die Hälfte war jetzt weg. Die Hühnerbrühe hatte auch endlich angeschlagen und es ging mir zunehmend besser. Dann kam ein Stück, da war es so eng, dass man nur in einer Spur hintereinander fuhr. Man hatte zwar die Möglichkeit eine zweite Spur aufzumachen, wäre aber mörderisch gewesen, da man hätte selber spuren müssen. Hans war bis zu diesem Zeitpunkt nicht da und ich wusste, jetzt kommt er nicht mehr vorbei. Nun lief es wie von selbst und die letzten 20 km machten wieder richtig Spaß. Der Schneefall hatte aufgehört, die Strecke wurde breiter und es gab endlich Überholspuren. Somit sammelte ich noch Läufer ein. An eine Topzeit war nicht mehr zu denken. Aber ein Gedanke blieb: „Hoffentlich schneller als beim letzten Vasalauf vor 3 Jahren.“ Im Ziel angekommen, war ich wirklich 8 Sekunden schneller und 8 Minuten hatten mir an der 50% Zeitregel für die große Vasdamedaille gefehlt. Die Zuschauer an der Strecke und an den Verpflegungspunkten sorgten für gute Stimmung und im Ziel sowieso. Man wird namentlich genannt, wenn man im Ziel ist und auch bei den Verpflegungspunkten. Hurra es war geschafft! So jetzt Ski abgeben, zum Duschschuttl und aus den Sachen raus, dann warme trockene Sachen an. Danach endlich ein Bierchen. Nun hinüber zum Schulz-Bus und ins Quartier auf meinen Kumpel warten. Aber wer saß im Bus? – „unser Hänschen“. Da war er Erster im Bus und so quatschten wir, wie es jedem ergangen war. Unsere Zeiten und Platzierungen: Hans 43 km-Lauf Zeit: 2:22 h Hauptlauf 90 km Zeit: 6:58,39 h Platzierungen: 2356 Klaus 2:07 h 90 km 6:45,08 h 1879 Schlussfolgerung : absoluter Wahnsinn, ätzend bei Schneefall, top Organisation beim Lauf Schulzreisen – top Reiseunternehmen – jeder Zeit wieder Euer Klaus